Sonntag, 16. Mai 2010

An manchen Tagen ist richtig was los

Eigentlich wollte ich nur endlich mal eine Dusche bauen, doch dann kam alles erst mal ganz anders ...
Auf der Suche nach Holzresten in der Ecke unserer Garage traute ich meinen Augen kaum: ein kleiner Skorpion hockte auf der Ecke eines Brettes. Die Kinder staunten nicht schlecht: "Was, soo klein ist ein Skorpsion?" - "Der ist aber trotzdem sehr gefährlich!!!" Schließlich blieb er friedlich hocken bis ich mich um ihn gekümmert habe.

Nachdem das Brett gesägt, geschmirgelt und poliert war, stürzte ich mich voller Tatendrang in das nächste Abenteuer! Unser Haus ist glücklicherweise von Bäumen umgeben, die in der Mittagshitze reichlich Schatten spenden. Ein besonders stacheliger Baum an der Ostseite ließ nun einen seiner von Parasiten verseuchten Äste bedrohlich nah an unser Wellblechdach heran wachsen. In den Stürmen der Regenzeit kann so ein Ast großen Schaden am Haus anrichten, weshalb ich nun auf eine selbst zusammen genagelte Leiter srieg.

"Lisa, ich säg' nur mal schnell den Ast da ab, dann mach ich die Dusche fertig!"

Die Säge (made in China) ließ mich bald im Stich, so dass ich die gute traditionelle Methode vorzog und mit einem "kohtlass" - einer handgeschmiedeten Machete - den Ast einfach (...) abhackte. Zum Glück blieb er zunächst auf dem Dach liegen, sonst wäre ich mit Striemen im Gesicht und Gecko-Futter im Mund rittlings auf dem 3m tiefer liegenden Boden gelandet. So landete jedoch der Ast auf dem Boden; er war größer und schwerer als ich zunächst angenommen hatte.

Erleichtert und dreckig konnte ich feststellen, dass das Brett inzwischen getrocknet war und die Installation der Dusche nun vorgenommen werden konnte.

"Lisa, ich nagel' nur mal schnell die Dusche ins Bad!"

Dass der Hammer (made in China) nicht viel kann, hatte ich mir bereits gedacht. Dass bei den Beton-Nägeln auch Nieten dabei sind, war mir auch klar. Und ich halte mich auch nicht unbedingt für Daniel, den Baumeister.
Aber dass die Wände so hart sind, dass mir funkende Nägel um die Ohren fliegen, und dass eher ein Stück Wand herausbricht, als dass der Nagel auch nur einen Zentimeter in die Wand fährt, hätte ich nicht erwartet; entweder ist der Stein hart, oder er bröselt einfach davon.

Immerhin konnten wir dann noch eine schöne Dusche nehmen!

Freitag, 7. Mai 2010

Mimi vs. Mau

Seit neulich regnet es wieder Katzen und Mäuse, im wahrsten Sinne des englischen Sprichwortes (it rains cats and dogs = es regnet in Strömen): Die Regenzeit hat begonnen und beschert uns gelegentlich sintflutartige Schauer, gelegentlich auch Gewitter.

Es wurde uns aber tatsächlich auch eine Katze beschert, denn Kater Mau hat Verstärkung bekommen: eine kleine Katze, die wir Mimi genannt haben (Mini-Mau), und die ihn ganz schön auf Trab hält!
Aus der "lazy male-cat" wurde über Nacht ein überaus stolzer, protziger Kater, der nun richtig den Macker rauskehrt. Wir hoffen, dass die beiden eine Rattenplage während der Regenzeit verhindern und auch den Insekten im Haus Paroli bieten. Bisher klappt das eigentlich ganz gut.

Sonntag, 4. April 2010

Ostern, oder was?

Unser zweites Osterfest in Sierra Leone:
Willkommene Unterbrechung im Alltag.

Als Daniel in einer der vergangenen Campus-Andachten die Semester-Pause (ein langes Wochenende) ankündigte, erntete er natürlich Applaus; nicht wie sonst, wenn er die Studenten ermahnen muss, ihre Arbeiten pünktlich abzugeben, sich endlich für das laufende Semester zu registrieren, oder ähnliches. Nach dem letzten Unterricht am Donnerstag flogen dann die meisten auf dem Campus lebenden Studenten aus, und es kehrte eine wohltuende Ruhe ein, lediglich unterbrochen durch dreiste (jugendliche) Diebe, die ausgerechnet jene Bäume um ihre Früchte erleichtern, die hinter unserem Haus stehen.

Nach dem Gottesdienst am Karfreitag packten wir unsere fünfeinhalb Sachen für eine spontane Übernachtung im Nachbardorf Grafton bei unseren amerikanischen Freunden Sada & Gabe (Anna würde mich korrigieren: die mexikanisch-amerikanischen Freunde, denn Gabriel kommt aus Mexiko), mit denen wir dann am Samstag an einen wunderbaren Strand fuhren.
Leider berichteten uns die Verwalter, dass sie ein sogn. Outing erwarteten: Eine Pfingstgemeinde aus Freetown kündigte ihren Gemeindeausflug an. Das für uns Bedauernswerte daran ist, dass diese "Outings" immer mit ungeheurem Lärm einhergehen. (Gestern wurde mir allerdings glaubhaft zu versichern versucht, dass der Unterscheidung zwischen "Lärm" und "Musik" eine kulturelle Definition zu Grunde liegt: "Wir Afrikaner lieben diese Musik!" - "Und wir Europäer lieben es, wenn die Lautsprecher gut eingestellt sind und auch funktionieren!" hätte ich beinahe erwidert.)

Weil den Beach-Boys daran gelegen war, uns nicht als Kunden zu verlieren, lotsten sie uns an ein lauschiges Plätzchen weitab des Gemeindeausflugs und seiner lauten Bum-Bum-Musik. Dort konnten wir prima baden, auf den Felsen klettern, leckeren Fisch essen und die Seele einfach mal baumeln lassen. Nachher haben wir den Pflingstlern sogar ein paar Dosen Fanta abgekauft, nicht ohne über den enormen Biervorrat zu staunen, der in dem (ebenfalls enormen) Fass zwischen und unter den Riesen-Eiswürfeln gekühlt wurde.

Den Gottesdienst am Ostersonntag verbrachten wir in einer kleinen Baptistengemeinde in der unmittelbaren Nachbarschaft: in einem Zelt in irgendeinem Hinterhof am Berg dachten wir nach halbstündigem Lobpreis mit einer bunten Truppe über die Verschiedenheit der Auferstehungsberichte in den vier Evangelien nach. Einfach herrlich: Der junge Pastor unternahm gar nicht erst den Versuch, die Berichte in irgendeiner Form zu harmonisieren, sondern wies auf die Glaubwürdigkeit des Osterereignisses, gerade wegen der verschiedenen Berichte hin. Er verdeutlichte dies mit den jüngsten Erfahrungen des Landes im Bürgerkrieg: Jeder würde vom Krieg andere Erlebnisse berichten; aber trotzdem bliebe doch die Tatsache bestehen, dass das Land zehn Jahre lang zutiefst erschüttert und schmerzlich verwundet wurde. - Was immer auch die Evangelisten über Ostern zu berichten wussten, jeder setzte seinen eigenen Schwerpunkt, v.a. in der Art, wie er davon berichtete.

Der Rückweg bescherte uns dann noch etwas Einmaliges: Noch nie zuvor hatten wir einen relativ umfangreichen Wirbelsturm aus unmittelbarer Nähe gesehen. Das kommt hier wohl häufiger mal vor, hat uns aber trotzdem sehr beeindruckt, wie der Sand des Fußballplatzes von Grafton mal eben so gen Himmel auffuhr.