Freitag, 11. Mai 2012

Schule aus

Gestern habe ich (Daniel) meine letzte Stunde Unterricht gehalten. Damit geht ein wichtiger Abschnitt für mich zu Ende. Seit Januar 2009 habe ich sieben Semester lang am Evangelical College of Theology (TECT) in Jui im theologischen Fachbereich 'doziert'. Das hat mir von Anfang an Freude gemacht. Zu Beginn gab es einige Verwirrung, da ich mich auf Systematische Theologie (Dogmatik und Ethik) und Missions-Theologie eingestellt hatte. So hatte ich auch die wichtigsten meiner Bücher zu diesen Themen extra aus Deutschland nach Sierra Leone mitgebracht, nur um vor Ort festzustellen, dass ich für ganz andere Fächer eingesetzt werden würde. So kam es also, dass ich von Anfang an im Fachbereich 'Neues Testament' unterrichtet habe, und zwar Kurse über die Evangelien, die Paulus-Briefe und Apokalyptische Literatur. Letzteres war dann (als Neues und Altes Testament übergreifendes Fach) für mich die Vorlage, um nicht nur eine Überblicksveranstaltung 'Einführung ins Neue Testament' zu entwickeln, sondern gleich im nächsten Semester das Äquivalent für das Alte Testament ebenso neu zu gestalten. Dieser ganze Bereich der biblischen Studien hat mir sehr viel Spass gemacht, und ich habe immer wieder gestaunt, wie groß das Bibelwissen meiner Studenten ist, und wie heiß man im Unterricht um bestimmte Dinge diskutieren kann. Gerade in diesem Studienjahr 2011/2012 hatte ich Studenten dabei, die immer wieder klug und munter mit raffinierten Argumenten mich, den Lehrer zum Verblüffen gebracht haben. Neben den biblischen Fächern habe ich von Anfang an auch allgemeine Themen unterrichtet: Über den christlichen Gottesdienst habe ich gelehrt (was als Europäischer Theologe im afrikanischen Kontext sicher fragwürdig ist), an der Hermeneutik habe ich mich versucht (und der Frage, wie man die Bibel auslegt). Vor allem wurde ich dazu angeregt einen Einführungskurs in die Praktische Theologie zu entwickeln, was ich zunächst mit Vorbehalten, dann aber sehr gerne getan habe. Jedes Jahr aufs Neue habe ich den Kurs immer mit den neuen Studenten gehalten und auf diese Weise weiter entwickeln können. Nach wie vor bin ich überrascht, wie eine Theologische Hochschule ohne einen solchen Kurs auskommen konnte, die fast ausschließlich Spezialisierungen in diesem Fachbereich anbietet: Bachelor-Studenten können am TECT einen Major wahlweise in Pastoral-Theologie, Religions-Pädagogik, Seelsorge und Mission belegen. Diese schöne Seite meines Dienstes in Sierra Leone ist nun zu Ende. Die Arbeit im Studienbüro bleibt natürlich bis zum Schluss bestehen, und mein Nachfolger ist nicht in Sicht, das heißt ich kann die von mir geleistete Arbeit nicht ordentlich übergeben; das ist Schade. - Um so mehr freue ich mich die gute Rückmeldung von Studenten am Ende jedes Semesters und die positive Resonanz bereits im Klassenzimmer: Sie haben mir den Dienst am TECT leichter gemacht und vor allem gezeigt, dass ich wirklich von Gott zu dieser Arbeit berufen war.